DER BLOG

Sixpack fürs Bauchgefühl

26.Feb 2016

Teil 17 des Blogs Road to Wonderland aus Australien „Sixpack fürs Bauchgefühl“:
INTUITION
DAS LEBEN KANN SO EINFACH SEIN
ALLEINE GLÜCKLICH

INTUITION
Mit dem Camper in Australien unterwegs. 3.000km von Sydney nach Cairns in neun Tagen. Der Start in dieses Abenteuer erweckte altbekannte Stressmuster wieder zum Leben (siehe vorherigen Blogbeitrag Entschleunigung). Die Fahrt auf der Autobahn bietet Zeit, um über den Sinn des Lebens nachzudenken. Vielleicht besteht der Sinn „einfach nur“ darin, zufrieden zu sein. Mit dem, was gerade ist, zufrieden zu sein. Das klingt schon wieder nach Akzeptanz im Endstadium. Die Australier haben daraus ihre plakative Grußformel „no worries“ gemacht. Sorgen beziehen sich zwar auf die Zukunft, aber man kann ja auch die Gegenwart annehmen und sich nicht aufregen, selbst wenn die Umstände genug nachvollziehbare Anlässe dafür bieten sollten. Auf einmal mischt sich Buddha in die Diskussion mit ein und gibt zu bedenken: „Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.“ Lösungsorientiert gefällt mir, passt perfekt zum Vorgehen von FÜhR DEIN LEBEN: „Was willst Du? Wie könnte es gehen?“ Allein schon die Aufmerksamkeit auf das ausrichten, was einem wirklich wichtig ist, düngt den Boden, auf dem Lösungen wachsen können. Doch was will ich? Die geplanten 500km für den ersten Tag sind bis Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu schaffen. Was bleibt dann noch? Es bildet sich ein klares Gefühl heraus: Heute Abend glücklich ins Bett zu gehen, wie auch immer das aussehen mag. Von einem Moment zum anderen verblassen die Erinnerungen an den bisherigen Stress des Tages. Auch das skeptische Stirnrunzeln, das die Aussicht auf die acht verbleibenden Tage des Roadtrips bislang ausgelöst hatte, löst sich auf. Habe einfach Spaß bei allem, was Du tust, dann schläfst Du heute Abend auch glücklich ein. Doch wie soll das nach diesem gebrauchten Tag gehen? Das „Wie“ ist egal, es braucht nur eine klare Entscheidung und die Dinge werden sich fügen. Im Radio läuft auf einmal die Weltreise-Hymne „The Nights“ von Avicii… „One day you’ll leave this world behind, so live a life you will remember“. Was für ein schöner „Zufall“. In dem Moment, in dem ich mich entschieden hatte, glücklich zu sein, meldet sich meine Intuition sehr klar und deutlich: „Nimm die nächste Abfahrt.“ Faszinierend. Die nächste Ausfahrt soll es sein. Ich „weiß“, dass ich hier abfahren will. Dann sind an diesem Tag eben nicht mehr als knapp 300km drin. Keine Ahnung, wo ich bin, keine Ahnung, wohin der Weg führt. Ein paar Kilometer Landstraße, ein Schotterweg durch einen Wald. Auf einmal bin ich in einem Paradies: Ein Campingplatz ohne Strom, eingerahmt von Süßwasserseen, Bäumen, Lichtungen, totaler Ruhe, frischer Luft. Natur pur. Dazu noch einige sehr freundliche und offene Menschen. Welcome to Wonderland. Ich kann mein Glück kaum fassen. Noch heute am frühen Nachmittag war es für mich unvorstellbar, dass der Tag so schön enden könnte. Das ist natürlich auch ein Feedback für meine begrenzte Vorstellungskraft. Vielleicht war es auch nur eine Aneinanderreihung günstiger Umstände. Vielleicht hätte jede Abfahrt von der Autobahn zu einem ähnlich schönen Ort geführt. Und vielleicht war es tatsächlich die intuitive Macht des Unbewussten, die mich geleitet hatte. Ich werde es nie wissen, ich kann nur glauben. Also entscheide ich mich, an die wundersame Kraft der Intuition zu glauben. Nach Einbruch der Dunkelheit verstärkt sich dieses Gefühl: Ein atemberaubender Sternenhimmel. Unbeschreiblich schön. Freiheit. Ein Wirklichkeit gewordener Traum. Magisch. Genau wegen solcher Erlebnisse mache ich diese Reise um Welt. Die hohe Erlebnisdichte der letzten Stunden, die ganze Bandbreite von Gefühlen und dieser scharfe Kontrast zwischen den „Hundehaufen des Lebens“ und diesem euphorischen Zalando-Feeling am Schluss lassen diesen Tag wie einen Wendepunkt erscheinen. Ich fühle mich so lebendig wie nie zuvor. Fast zwei Monate nach Beginn der Reise beginne ich zu begreifen, warum ich unterwegs bin. Endlich komme ich an.

Lektion: Was wirklich zählt, ist Intuition. (Albert Einstein).

Fragen für Dich:

- Wann bist Du das letzte Mal Deiner Intuition gefolgt?
- Was erleichtert Dir den Zugang zu Deiner Intuition?

 

DAS LEBEN KANN SO EINFACH SEIN
Die aufgehende Sonne ist mein natürlicher Wecker. 5:30 Uhr. Es fühlt sich für mich stimmig an, meinen Lebensrhythmus der Sonne anzupassen. Das morgendliche Bad im warmen Süßwassersee erfrischt. Camping macht voll Spaß. Das Bedauern, diese Form des Reisens nicht schon früher für mich entdeckt zu haben, ist nur von kurzer Dauer. Schließlich stehen noch acht weitere Campingtage auf der Agenda. Das Frühstück mit einer weltreisenden Französin inspiriert mich: Sie arbeitet die Hälfte des Jahres im Tourismus auf den paradiesischen Inseln Neukaledoniens. Die andere Hälfte verbringt sie damit, die Welt zu bereisen. Sie ist allein unterwegs. Sie wirkt so sehr „bei sich“, dass ich sie interessiert ausfrage. Ihr „Geheimnis“ bringt sie mit „go with the flow“ auf den Punkt: „Suche die Nähe von Menschen, die echt sind, die zu Dir passen, die das Gute in Dir anregen. Folge Deiner Intuition. Mache mehr von dem, was in Deinem Leben funktioniert und was Dir guttut. Liebe und lebe jeden Augenblick.“ Kann das Leben tatsächlich so einfach sein? Warum denn nicht? Wo steht geschrieben, dass das Leben kompliziert sein muss? Nach ihrer Meinung ist der Mensch nicht dafür gemacht, dauerhaft an einem Ort zu leben. Wie das für andere Menschen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich ist da etwas Wahres dran, merke ich. Mein Leben war schon immer in Bewegung, aber zu häufig spielte sich die Bewegung innerhalb der bekannten Leitplanken ab, wie eine Flipperkugel, die auf einer begrenzten Fläche herumsaust. Das fühlt sich dann nach Hamsterlaufrad an. In diesem besonderen Moment der Freiheit wird mir übel bei dem Gedanken, eines Tages zu meinem alten Leben, zu meiner alten Komfortzone zurückzukehren. Doch das Glück des Augenblicks nimmt gerade so viel Raum ein, dass der Gedanke von der „no worries“-Haltung pulverisiert wird.

Lektion: Go with the flow.

Frage für Dich: An welche positiven Flows Deines Lebens kannst Du Dich andocken?

 

ALLEINE GLÜCKLICH
Der Trip von Sydney nach Cairns entwickelt sich zu einem farbenfrohen Roadmovie. Die erste Station war bereits traumhaft. Beim Aufbruch am nächsten Morgen fällt ein letzter melancholischer Blick in den Rückspiegel. Es ist so schön hier. „Hierbleiben“ fordert eine innere Stimme. Gleichzeitig sagt eine andere Stimme: „Sei froh, dass Du jeden Tag lernen darfst loszulassen. Von dieser Erfahrung wirst Du für den Rest Deines Lebens profitieren. Du kannst nur dann ein wirklich freier Mensch sein, wenn Du bereit bist loszulassen. Alles. Vorbehaltlos. Immer.“ Mag ja sein, dass das irgendwann mal seinen Sinn entfalten wird, Loslassen fühlt sich trotzdem erst einmal bescheiden an. Vielleicht geht es auch genau darum, das zu akzeptieren. Das Wonderland-Feeling und viele besondere Erinnerungen nehme ich mit. Die nächste Etappe wartet. Bereits am zweiten Tag düse ich mit meinem Camper durch die Gegend, als ob ich mein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hätte. Diese Anpassungsfähigkeit erfreut mich. Vergnügt geht die Fahrt voran. Allein. Vor dem Alleinsein hatte ich vor Beginn der Reise den größten Bammel. Als bekennender Fan der Konfrontationstherapie gab mir der Leitspruch „Die Höhle, die Du zu betreten fürchtest, birgt den Schatz, den Du finden willst.“ ein wenig Mut. Aber eben nur ein wenig, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was für ein toller Schatz das sein soll. Nach zehn Wochen Weltreise stellt sich wundersam heraus, dass auf meiner Schatzkiste „alleine glücklich“ steht. Gerade während der ersten Wochen in Südafrika war es eine echte Herausforderung, mit der gefühlten Einsamkeit klarzukommen. Jetzt bin ich immer noch allein, fühle mich jedoch nicht mehr einsam, sondern bin mir selbst genug. Ist man auch allein fein, kann man sich wirklich offen und erwartungslos auf andere Menschen einlassen. Freiheit entsteht, wenn man niemand anderen für sein Glück braucht. So kann man auf die subtilen Einladungen zu Abhängigkeiten verzichten und aufhören, anderen die Verantwortung für das eigene Wohlergehen übertragen zu wollen. „Happiness is an inside job“ lautet ein Zitat des Schriftstellers William Arthur Ward. Jeder Tag der Weltreise klärt das Verständnis, was damit gemeint ist. Allein zu reisen hat noch weitere spannende Vorteile: Man kann jeden Tag machen, was man will. Wenn man es sich aussuchen kann, dann macht man das, was einem Freude macht. Den ganzen Tag. Allein das macht schon glücklich und zufrieden. Zusätzlich zeigt ein frei gestalteter Tag, was man wirklich will. Der Blick auf das selbstgewählte Tun erlaubt sehr spannende Rückschlüsse auf die eigene Bedürfnisstruktur: „Aha, so willst Du also leben…“. Ein weiterer unschätzbar wertvoller Vorteil des Alleinreisens ist, dass einem kein anderer dazwischen quatscht. Diese Ruhe ist so erholsam, so schön. Erst in der Stille hört man das Wesentliche, in diesem Fall die einzige Stimme, die noch da ist: Die eigene Stimme. Es ist höchst interessant, sich selbst mal zuzuhören, was man so zu sagen hat. Oder auch nicht zu sagen hat. Was bleibt übrig, wenn die ganzen Ablenkungen des Alltags verschwunden sind? Nicht für ein paar Stunden, sondern Tage, Wochen, Monate. In manchen Momenten wollte ich mir schon einen Wilson bauen; das ist der angemalte Volleyball, mit dem der moderne Robinson Crusoe im Film Castaway kreative Selbstgespräche geführt hatte. Weil kein anderer Mensch da ist, den man kennt, kann man schambefreit mit sich selbst reden und die eigenen Gedanken laut aussprechen. Das geht auch ohne Gimmick à la Wilson. So können die wichtigen Botschaften des Unterbewusstseins an die Oberfläche kommen. Was für eine krasse Erfahrung. Manche Gedanken haben die Fähigkeit, einem die Freude am Leben zu nehmen. Denkt man sie nur, können sie sich im Grundrauschen verstecken. Spricht man sie laut aus, demaskiert man sie und kann ihnen Hausverbot erteilen. Für einen kurzen Moment kommt ein trauriges Bedauern hoch: Warum hast Du Dir nicht schon früher zugehört?! Egal, jetzt tue ich es ja. Und nicht zuletzt zwingt einen das Alleinsein dazu, für alles selbst Verantwortung zu übernehmen. Man kann niemanden dafür verantwortlich machen, dass der Tag doof war, die Unterkunft nicht komfortabel war,  das Essen nicht geschmeckt hat oder ein anderer Weg kürzer gewesen wäre, weil alles, restlos alles das Ergebnis eigener Entscheidungen ist. Manchmal vermisse ich bei meinen Entscheidungen kreative Impulse von außen. So gerne ich mich auch von den Ideen anderer inspirieren lassen würde, so wertvoll ist es für mich, die eigenen vorhandenen Ressourcen zu nutzen und herauszufinden, wie weit sie mich bringen. Das stärkt das Selbstvertrauen.

Zwischenfazit: Alleinsein ermöglicht emotionale Freiheit, glücklich zu sein, Stille und Ruhe, das Unterbewusstsein zugänglich zu machen, die eigene Stimme wahrzunehmen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, selbst Verantwortung zu übernehmen, die eigenen Ressourcen zu entdecken und so die eigene Identität zu begreifen: Wer bin ich wirklich?!

Lektion: Wenn ich mit mir allein fein bin, bin ich frei.

Fragen für Dich:

- Was fühlst Du bei der Vorstellung, für längere Zeit allein zu sein?
- Warst Du schon mal längere Zeit allein? Was ist da passiert?

Ilja Rep - Dein Coach für Freiheit und Entfaltung.

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„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez