DER BLOG

Staunen

28.Mär 2016

Teil 19 des Blogs Road to Wonderland aus Australien: „Staunen“
LUST AUF NEUES
HEUTE IST EIN GUTER TAG ZUM STERBEN

 

LUST AUF NEUES
Auf der Road to Wonderland lasse ich mich treiben. Genieße meine Planlosigkeit und die Bereitschaft für das Unerwartete. Okay, den Camper muss ich innerhalb von 9 Tagen von Sydney nach Cairns fahren; total ungebunden bin ich also nicht. Ich bin sehr dankbar für das Geschenk, meiner Intuition Freiräume zur Entfaltung anbieten zu können. Mit war vorher nicht bewusst, wie wertvoll das ist. Der natürliche Fluss des Lebens, der zieht mich irgendwo hin. Auf den ersten Blick erscheint es mir manchmal, als ob er mich nicht zu meinem Ziel bringt. Das entspannt auszuhalten und dem Lauf der Dinge zu vertrauen, fällt mir zunehmend leichter, aber ein Selbstläufer ist es noch nicht. Habe ich überhaupt ein Ziel? Brauche ich überhaupt eins? Ursprünglich war das Ziel meiner Reise die praktische Überprüfung der Hypothese, dass sich die starren Grenzen meiner Komfortzone auflösen, je intensiver ich mich neuen Erfahrungen aussetze. Je mehr ich mich an das Ungewohnte gewöhne, umso entspannter und offener kann ich mich auf das Leben einlassen. Es scheint so, als ob dabei dem Umgang mit den Gefühlen Überraschung und Angst eine entscheidende Bedeutung beikommt. Das Gefühl der Überraschung (Ups, da ist was Neues, etwas Unerwartetes ist passiert), das einen meist im ersten Moment vor Schreck erstarren lässt, verwandelt sich in neugieriges Staunen. Das Gefühl der Angst vor dem Unbekannten (Hilfe, kenne ich nicht, fühle mich latent bedroht) lässt einen entweder fliehen, angreifen oder sich tot stellen. Angst muss ja nicht gleich dramatische Dimensionen annehmen oder paranoide Zustände auslösen; Angst ist auch in kleinen Dosen ein fieses Seelengift. Je häufiger man sich mit bislang Unbekanntem konfrontiert, umso gelassener kann man das Neue zur Kenntnis nehmen. So haben Überraschung und Angst jeden Tag weniger Macht über einen. Mal abgesehen vom attraktiven Abenteuerfaktor spüre ich mit jedem neuen Erlebnis, wie die Freiheit wächst, weil mein Komfortzonenmanager immer weniger zu sagen hat. Er ist mit dieser Flut an neuen Eindrücken letztlich so überfordert, dass er einfach nur noch sprachlos ist. Und es gibt so vieles Neues: Liebgewonnenes zurück- und loslassen, Linksverkehr, Camping, laufend neue Umgebungen und Landschaften, Begegnungen mit fremden Menschen, andere Kultur, ungewohntes Essen, neue Aufgaben, im Nirgendwo ohne digitale Vernetzung auskommen, allein unterwegs sein, Autopannen meistern, geliebte Menschen nicht physisch um mich herum haben, andere Gerüche, neue Geschmäcker, Känguru-Alarm auf der Straße, Buschfeuer, Strand & Sonne im Winter, diverse nachtaktive Nagetiere, eine andere Art zu schlafen, ekelige Insekten, weite Landschaften, für alles (!) selbst die Verantwortung übernehmen müssen, bislang vertraute Beziehungen sich auflösen lassen, kein klassisches Zuhause mehr haben, einer ungewissen beruflichen Zukunft entgegensehen, Fledermäuse anstatt Tauben, mich in unbekannten Umgebungen selbst zurechtfinden müssen, manchmal 100km fahren, ohne einem weiteren Auto zu begegnen. Nur um ein paar spontane Highlights zu nennen. Je länger ich unterwegs bin, umso mehr beginne ich zu verstehen, wirklich zu verstehen, dass die Reise an sich das Ziel ist. Es geht nicht um ein Ankommen, es geht einfach nur ums Sein. Plötzlich wird mir bewusst: Das Wunderland ist kein magischer Ort, zu dem ich erst gelangen muss. Es geht nicht um das Happyend, sondern um die Geschichte. Wunderland ist überall. Überall, wo ich will, dass es ist. Überall, wo ich es zulasse. Faszinierend.

Lektion: Ich gewöhne mich an das Ungewohnte.

Fragen für Dich:

- Welche kleinen aber feinen neuen Erfahrungen kannst Du Dir gönnen?

- Was könnte dadurch für Dich möglich werden?

 

Lektion: Wunderland ist überall.

Frage für Dich: Wie müsstest Du den heutigen Tag angehen und anders sehen, damit er sich für Dich wunderlandmäßig anfühlt?

 

HEUTE IST EIN GUTER TAG ZUM STERBEN
Unterwegs inspirieren immer wieder kurze Begegnungen mit neuen Menschen. Ein 60-jähriger Mann arbeitet ehrenamtlich als Sozialarbeiter. Er spricht mich während der Mittagspause auf einem Parkplatz an und erzählt mir, dass er regelmäßig im nahegelegenen Fluss schwimmen geht. Ich bin überrascht, weil ich Berichte über Krokodile gelesen habe, die in dieser Gegend vorkommen sollen. Er sieht mein erstauntes Stirnrunzeln und erklärt: „Von den Krokodilen lasse ich mir den Spaß am morgendlichen Schwimmen nicht verderben. Die greifen meist nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Die tun mir schon nichts. Und wenn doch, dann ist es eben so. Dann bin ich wenigstens bei Channel 9 (die australische Form von RTL 2) eine große Nummer und komme ins Fernsehen. Die Menschen sollten endlich mal aufhören, so ein Drama um den Tod zu machen. Er ist das einzig wirklich feststehende Lebensereignis. Du wirst nur nie wissen, wann es Dich erwischt. Jeder qualvolle Gedanke daran ist absolute Zeitverschwendung. In dem Moment, in dem man die Angst vor dem Tod verliert, beginnt man wirklich zu leben.“ Dieses unerwartete Live-Coaching auf einem Parkplatz vor einem Supermarkt in Noosa Heads macht mich nachdenklich. Paragraf 1 der ABG des Lebens: „Eines Tages ist Dein Leben vorbei. Ohne Verlängerung und 11m-Schießen.“ Ich will mein Schicksal zwar nicht herausfordern und mit den Krokodilen kuscheln, doch seine Worte haben etwas. Der plakative Kalenderspruch „Lebe jetzt“ bekommt auf einmal eine tiefere, ja spirituelle Bedeutung. Mein freundlicher Impulsgeber fügt noch an: „Lebe am besten so, dass Du jeden Tag gehen kannst. Habe keine ‚unfinished businesses‘. Kläre alles, was für Dich Bedeutung hat, sobald wie möglich. Dann bist Du frei für die Gegenwart.“ Ich danke ihm für seine Inspiration, bleibe etwas irritiert zurück und frage mich: Mit wem habe ich noch was zu klären?

Lektion: Ich kläre meine ‚unfinished businesses‘.

Fragen für Dich:

- Mit wem hast Du noch was zu klären?

- Was hat Dich bislang daran gehindert?

- Was tust Du?

 

Ilja Rep - Dein Coach für Freiheit und Entfaltung.

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„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez