DER BLOG

Planänderungen

07.Apr 2016

„Planänderungen“, Teil 22 des Blogs Road to Wonderland aus Australien:
GESCHENKE
ÜBERRASCHUNG
 

GESCHENKE
Den Relocationjob im Camper von Sydney nach Cairns habe ich erfolgreich geschafft: Ohne Unfälle, pünktlich und mit einer Schatztruhe voller Erlebnisse. Die letzte Nacht verbringe ich auf einem Campingplatz mitten im Urwald inklusive Wasserfall. Wonderland Feeling. Zurzeit scheint mir echt ein Regenbogen aus dem Hintern. Die Road to Wonderland ist das große Abenteuer meines Lebens. Es ist der Hammer, was passiert, was sie auslöst und in mir in Bewegung bringt. Im Rückspiegel scheinen die unangenehmen Momente dieser Reise (ca. ein Drittel der Zeit) notwendig gewesen zu sein, damit diese Entwicklungsprozesse möglich wurden. Ich laufe über vor neuen Eindrücken und merke, wie gerade eine große Anspannung von mir abfällt. Urlaubsreif. Doch ich habe Blut geleckt und nehme direkt den nächsten Relocationjob an. Dieses Mal geht es von Cairns nach Airlie Beach. Auch dieser Trip bereitet viel Vergnügen. Ich fahre an einem Beerdigungsinstitut nur für Frauen vorbei: „White Lady Understanding“ leuchtet es in großen Lettern. Was es alles gibt. Weihnachten verbringe ich auf einem Segeltörn durch die Whitsunday Islands und das Great Barrier Reef. Das erste Mal in meinem Leben gehe ich tauchen. Mein Weihnachtsgeschenk für mich. Ein schönes Gefühl, nett zu mir selbst zu sein. Ab jetzt schenke ich mir jedes Jahr etwas, weil ich es mir wert bin. Während ich diese Zeilen schreibe, entlädt sich ein tropisches Gewitter, tapert ein fetter Leguan auf und ab und ein glücklicher Truthahn hüpft herum, weil er Weihnachten überlebt hat. Jedes auch noch so kleine Erlebnis, das anders als meine gewohnte Welt ist, inspiriert mich. Eine Taxifahrt inspiriert mich besonders: Andy, der Fahrer, ist vor 9 Jahren von Schottland aus nach Australien eingewandert. Seine leuchtenden Augen und seine klare Stimme erregen meine Aufmerksamkeit. Wir kommen ins Gespräch. Ursprünglich wollte Andy hier nur einen längeren Urlaub machen. Aus einem „zufälligen“ Kontakt hatte sich eine konkrete Jobmöglichkeit ergeben. Im zarten Alter von 44 Jahren hatte er ein Studium begonnen, um die strengen australischen Einwanderungsbedingungen erfüllen zu können. Er arbeitete einige Jahre als technischer Gutachter, verdiente sechsstellig. Das Leben in Australien fand er toll, den Verdienst auch. Seinen Job konnte er nicht ausstehen: Schlechtes Betriebsklima, führungsschwache Chefs, sinnentleerte Gefälligkeitsgutachten, tägliche Überdosis an bad vibes durch wettbewerbsorientierte Kollegen etc. Sein Körper gab ihm über Bluthochdruck und Rückenschmerzen deutliches Feedback. Über eine regelmäßige Shopping-Therapie lenkte er sich ab und kreierte in sich die Illusion, dass sein ökonomischer Erfolg diesem Lebensentwurf einen Sinn gegeben hätte. Er war in dem Gedanken gefangen, dass ein Jobwechsel das Scheitern seines australischen Traums bedeuten würde. Die Bereitschaft für grundlegende Veränderungen entwickelte er erst, nachdem er vom Dach gefallen war und sich einen Arm gebrochen hatte. Auf einmal war das klare Bewusstsein da, wie wertvoll das Leben ist, wie wertvoll SEIN Leben ist. Wäre er 1m weiter rechts aufgeprallt, wäre er vermutlich querschnittsgelähmt oder tot. Das war sein Weckruf. Auf einmal gestand er sich seine eigene Wahrheit zu: „Mein Job saugt die Lebensenergie aus mir heraus und macht mich krank. So will ich nicht leben.“ Andy kündigte sofort und machte sich mit einem Taxiunternehmen selbstständig – im Alter von 51 Jahren. Seitdem geht es ihm gesundheitlich hervorragend. Er ist glücklich. Ob er Angst vor der unternehmerischen Ungewissheit habe, frage ich ihn. Er schaut mich irritiert an und sagt: „Welche Ungewissheit? Das ganze Leben ist ungewiss. Nur eines ist absolut gewiss, nämlich dass ich mein jetziges Leben liebe. Mehr muss ich nicht wissen. Ich habe mir dieses Leben selbst ausgesucht. Ich verdiene zwar weniger, brauche aber auch weniger, weil die Shopping-Therapie überflüssig geworden ist. Ich bin selbstbestimmt und ernte die Früchte meines Erfolgs. Selbst wenn die Ernte mal mies ausfällt, es ist MEINE Ernte. Ich bin ein freier Mann.“ Du bist ein weiser Mann, Andy. Zum Abschied schauen wir uns in die Augen, offen, freundlich, erlauben uns einen Augenblick mehr als den üblichen flüchtigen Blick und wünschen uns ein glückliches Leben.

Lektion: Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang.

Fragen für Dich:

- Was bedeutet Selbstbestimmtheit für Dich?

- Wie wichtig ist es Dir, selbstbestimmt zu sein? Wie sehr bist Du es bereits?

- Wenn Du mehr Selbstbestimmtheit als bisher willst, wie könnte das gehen?

 

ÜBERRASCHUNG
Wie geht es nun weiter? Australien ist teuer. Die nächsten geplanten Etappen Fidschi und Neuseeland sind auch nicht gerade als Schnäppchenparadiese bekannt. Ein schwedisch-portugiesisches Pärchen legt mir ans Herz, nach Thailand zu gehen. Da wir eine gute Verbindung haben, vertraue ich der Empfehlung. In Thailand war ich noch nicht. Ordentlich Sonnenschein soll es dort auch geben. Leckeres Essen ebenfalls. Und so verlockend Fidschi auch klingt, so sehr habe ich vom Feeling her kein gutes Gefühl, dorthin zu reisen. Ein klarer Hinweis des Bauchgefühls „Lass es!“. Also lasse ich Fidschi sausen. Was für eine wunderbare Freiheit, den Weg intuitiv gestalten zu können. Don‘t die for a deadline. Die Leichtigkeit, mit der ich meine Pläne über Bord werfe, überrascht mich selbst. Das Bedürfnis, mit sich selbst und seinen Werten konsistent zu sein, spüre ich auch in mir. Das lässt einen manchmal veränderungsresistent einen Weg auch dann weitergehen, wenn man bereits sehr klar spürt, dass dieser Weg nicht stimmig ist. Mit anderen Worten: Menschen stoßen einmal getroffene Entscheidungen nicht gerne um. Auch ich nicht. Ich kann mich überraschen, wenn ich mir erlaube, inkonsistent zu sein. Das musste ich auf dieser Reise auch erst üben. Die monatelange Planlosigkeit hat einen günstigen Rahmen dafür geschaffen. Neben „Alles darf sein.“ ist „Ich überrasche mich selbst.“ die zweite Leitplanke der Road to Wonderland. Der Schlüssel für persönliche Überraschungsmomente scheint in der Intuition zu liegen, in der Bereitschaft, dem zu folgen, was sich gerade jetzt stimmig anfühlt und jegliche rationalen Bewertungsimpulse zu ignorieren – inklusive des Konsistenzbedürfnisses. Da ich eh Urlaub von der Weltreise brauche, um die rasante Achterbahnfahrt der letzten Monate verarbeiten zu können, entscheide ich mich für den thailändischen Strand. Allein durch die geringeren Unterkunftskosten habe ich die Investition für den Flug bereits nach einer Woche raus. So ganz mag ich auf Rationalität noch nicht verzichten, fällt mir mit einem selbstironischen Lächeln auf.

Lektion: Ich überrasche mich selbst.

Fragen für Dich:

- Wann hattest Du Dich das letzte Mal selbst überrascht?

- Was wurde dadurch möglich?

 

Ilja Rep - Dein Coach für Freiheit und Entfaltung.

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„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez