DER BLOG

Vertrauen

07.Apr 2016

„Vertrauen“, Teil 23 des Blogs Road to Wonderland aus Thailand:
RICHTIG IST FALSCH
IN DER FALLE
FREEDOM BEACH

 

RICHTIG IST FALSCH
Auf geht es zur ungeplanten Etappe nach Thailand. In einem Gespräch über diese Planänderung fragt mich jemand: „Woher weißt Du, dass diese Entscheidung richtig ist?“ Instinktiv antworte ich: „Diese Frage stelle ich mir nicht.“ Für einen kurzen Moment zögere ich und mache mir bewusst, was ich eben gesagt habe. Sehr interessant, was alles möglich wird, wenn sich Großhirn und Komfortzonen-Manager einfach mal aus dem Funkverkehr raushalten. Richtig und falsch sind Bewertungen, die ein Korsett schnüren, das zu eng für das Leben ist. Was ist schon richtig oder falsch? Zum Zeitpunkt der Entscheidungen sind die Konsequenzen häufig nicht abschätzbar. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen, den Job zu wechseln, eine Beziehung zu beginnen/zu beenden oder in eine andere Stadt zu ziehen? Wer ist der richtige Mann, die richtige Frau? Will man DIE richtige Entscheidung treffen, schickt man seinen Verstand in eine zerebrale Endlosschleife und schneidet sich vom Unterbewusstsein ab, wo die wirklich spannenden Antworten im Halbdunkel auf ihre Erweckung warten. Gesteuert von einem Denken in Richtig-Falsch-Kategorien kann man sich nicht dem Fluss des Lebens hingeben und kein Vertrauen entwickeln. Wie will ich mir selbst vertrauen, wenn ich den Anspruch habe, dass meine Entscheidung richtig ist? Die Suche nach etwas Richtigem impliziert, dass alle anderen Alternativen falsch sind. Weil man Kristallkugel-Gucken nicht im Programm hat, vertraut man sich selbst nicht. Alle theoretischen Alternativen kennt man nur im Ausnahmefall. Die Richtigkeit ist ein diffuses Sammelbecken für alle möglichen Wertvorstellungen: Vernünftig, effizient, sicher, risikolos, vorhersehbar, preiswert, smart etc. Für mich muss eine Entscheidung nur passend oder stimmig sein – für mich. Andere können ruhig andere Bedürfnisse haben. Das Bauchgefühl weist einem schon den Weg.

Lektion: Ich vertraue mir.

Fragen für Dich:

- Wie triffst Du bislang Entscheidungen?

- Vertraust Du Dir?

 

IN DER FALLE
Was habe ich bloß getan? Die günstigste Möglichkeit, um von Australien nach Thailand zu kommen, war ein Flug nach Phuket. Der Flughafentransfer zum Hotel ist nicht erschienen. Nun bin ich in dieser schmutzigen, lauten, stinkenden Touristenhölle gelandet. Die Sinneseindrücke, die Phuket im Angebot hat, sind gruselig und stellen meine neu gewonnene Gelassenheit auf eine harte Probe. Tja, vielleicht hätte ich mich vorher doch genauer informieren sollen. Aber auch eine gewissenhafte Recherche vorab bewahrt nicht vor unangenehmen Erfahrungen: Im Internet erhielt das Hotel, in dem ich abgestiegen bin, sehr gute Bewertungen, die Fotos sahen sehr einladend aus. Den Lärm finde ich unerträglich, das Badezimmer duftet nach einer schimmeligen Mischung aus Chlor und Fäulnis. Die gesamte Ausstrahlung dieses Etablissements empfinde ich als unangenehm. Mir ist völlig schleierhaft, woher die vielen guten Feedbacks für diesen Schuppen gekommen sein sollen. Die Cousine des Inhabers, die desorientiert durchs Hotel huscht, ist zwar ein attraktiver Blickfang und glänzt durch dekorative Anwesenheit am Arbeitsplatz, mehr aber auch nicht. Mir wird noch bewusster, wie abhängig mein Wohlbefinden von der Umgebung ist. Ich will weg von hier. Sofort. Aber das Hotel ist eine Woche im Voraus bezahlt. Egal, Freiheit kostet eben. Trotzdem fühlt es sich für einen Augenblick so an, als ob der spontane Abstecher nach Thailand keine gute Idee war. Auch das will akzeptiert werden. Hat mich mein Vertrauen in die Empfehlung des schwedisch-portugiesischen Pärchens in die Irre geführt? Lieber bereue ich, was ich getan habe, als das, was ich nicht getan habe. Die Unterlassungssünden quälen einen bis ans Lebensende mit einem stakkatoartigen „hätte, hätte, hätte“. Ich sündige lieber proaktiv. Und – wer weiß – was durch diesen formidablen Griff ins Klo noch alles möglich wird…

Lektion: Willkommen in der Wirklichkeit. Manchmal geht eine Idee nicht auf, zumindest vorerst nicht. Wer weiß, was morgen möglich wird.

Fragen für Dich:

- Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als nicht der Brüller herausgestellt hat – welches Beispiel aus Deinem Leben fällt Dir dazu spontan ein?

- Inwiefern hast Du Deinen Frieden mit dieser Entscheidung finden können?

- Was könntest Du möglicherweise noch tun?

 

FREEDOM BEACH
Phuket ist ein akustisches Armageddon. Auch der Gestank der hochfrequenten Gebiete ist kaum auszuhalten. Wo finde ich hier etwas Ruhe? Ich höre jemanden laut „Freedom Beach“ rufen. Das ist doch wie für mich gemacht. Nichts wie hin, fordert spontan mein Bauchgefühl. Endlich ein sauberer Strand, der hinreichend spärlich bevölkert ist. Ich genieße den Sonnenschein und das satte Grün. Herrlich. Zeit zum Runterfahren. Zeit ist so unendlich kostbar. In Thailand werde ich schon noch ein paar ruhige und schöne Ecken finden. Bloß weg aus Phuket. Ich freue mich schon auf ereignislose Wochen am Strand. Wie lange ich in Thailand bleiben werde, weiß ich noch nicht. Muss ich jetzt auch nicht wissen. Während ich da so entspannt vor mich hinurlaube, frage ich mich, wohin mich die Road to Wonderland noch führen wird. Sie war ursprünglich nur als griffiger Slogan für die Weltreise gedacht. Inzwischen ist sie zu einer Lebenseinstellung geworden. Ende April komme ich nach Deutschland zurück. Die Road to Wonderland geht dann weiter. Anders. Rückkehr nach Deutschland. Diese Gedanken verpassen mir eine unangenehme Gänsehaut. Zurzeit ist es für mich unvorstellbar, zu meinem alten Leben zurückzukehren. Wo will ich leben? Wie will ich leben? Und mit wem? Was will ich beruflich machen? Für einen kurzen Augenblick fühlen sich diese offenen Fragen bedrückend an. Dann erinnere ich mich an einen Teilnehmer eines FÜhR DEIN LEBEN Workshops. Er war seinerzeit in einer ähnlichen Situation wie ich jetzt und nicht happy damit. Als er sich darüber „beschwerte“, dass in seinem Leben alles offen sei und er nicht wisse, was komme, hatten die anderen Teilnehmer sinnbildlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: „Wo ist Dein Problem? Du siehst hier 12 andere Menschen, die alles dafür geben würden, so frei wie Du zu sein. Dass Du jetzt gerade nicht weißt, wie Dein Leben aussehen wird, ist kein Problem, sondern ein Geschenk – weil Du die Freiheit hast, Dir Dein Leben selbst aussuchen zu können. Du musst nur Verantwortung übernehmen.“ Bäm. Das hatte gesessen. Damals wie heute. Die Erinnerung ist noch sehr lebendig. Wie schön, dass ich das jetzt nicht entscheiden muss. Bin ich ziellos? Wir Menschen wollen immer ein Ziel haben. Entsteht aus dem Ziel die Illusion der Sinnhaftigkeit? Oder nur eine Kontrollillusion? Was weiß ich denn, was mir in ein paar Monaten wichtig sein wird. Jedes jetzt gesetzte Ziel engt mich nur unnötig ein. Zum jetzigen Zeitpunkt erkenne ich nur einige Leitplanken: Nach meiner Rückkehr möchte ich Zeit mit den Menschen verbringen, die mir wichtig sind. Da sie überall in Deutschland verteilt leben, kann ich meinen nomadischen Lebensstil noch weiterführen und so dieses lebendige Wonderland Feeling aufrechterhalten. Ich will weiterhin als Trainer für Teamentwicklung und als Coach für Persönlichkeitsentwicklung arbeiten. Das ist das, was ich am besten kann und was meine Bestimmung ist. Und ich nehme mir die Zeit, um aus der Road to Wonderland ein Buch zu machen und meine schriftstellerische Passion auszuleben. Im nächsten Winter will ich wieder auf Reisen sein. Byron Bay in Australien ist ein Ort, wo ich gerne mal ein paar Wochen leben würde: Angenehme Atmosphäre, schöne Strände, ordentliche Wellen, auf denen man Body-Surfing machen kann. Alles andere ist offen. Vor der Reise dachte ich, dass ich nach meiner Reise ein anderer Mensch sein werde. Das trifft es nicht ganz, ist mir inzwischen klar geworden. Ich werde kein anderer, sondern „nur“ mehr ich selbst sein. Freedom Beach. Durch die Reise auf der Road to Wonderland ordnet sich mein Leben von Grund auf neu. Alles in Bewegung. Sehr spannend. Zutiefst befreiend. In diesem Freiraum können die Dinge ihre natürliche Ordnung wiederfinden. Trotzdem fühlen sich manche Veränderungen erst einmal „bäh“ an. Der innere Widerstand gegen Veränderungen ist zwar leiser geworden, aber er ist noch da. Unterwegs bin ich laufend Veränderungen ausgesetzt, je nachdem wie schnell ich reise. Wenn etwas schön ist oder funktioniert, dann will ich das erhalten, dortbleiben, weitermachen. Dann habe ich keinen Bock auf Veränderungen. Ein Teil von mir will nicht loslassen. Warum auch, wenn etwas richtig toll ist?! Loslassen fällt mir leichter, wenn ich darauf vertraue, dass das Neue schon seinen Charme haben wird. Und falls nicht, kann ich ja immer noch weiterziehen. So wie ich Phuket hinter mir lasse. Was man mit Freiheit alles Schönes machen kann, beginne ich gerade erst zu begreifen. Nur meine eigenen Gedanken können mir meine Freiheit nehmen, wenn sie mit anspruchsvoller Rationalität um die Frage kreisen, WIE das alles gehen soll. Das Wie, der konkrete Weg, der Mechanismus, der mich zum Ziel bringt, befeuert nur die bereits erwähnte zerebrale Endlosschleife. Die führt einen nur in die selbstgemachte Hilflosigkeit. Ich vertraue dem Lauf der Dinge und meinen Fähigkeiten, beizeiten die passenden Antworten zu finden, wenn die Fragen denn konkret werden. Zurzeit besteht nicht nur keine Notwendigkeit, das Wie zu konkretisieren, sondern es wäre kontraproduktiv. Vertrauen. Immer wieder Vertrauen.

Lektion: Ich gehe leben – kommst Du mit?

Fragen für Dich:

- Hast Du eine Idee davon, wie Dein Wonderland aussieht?

- Wie sehen die konkreten Leitplanken für Deine Road to Wonderland aus?

- Welche Freiheiten bietet Dir Dein Leben bereits?

- Welche Freiheiten könntest Du Dir noch nehmen?

 

Ilja Rep - Dein Coach für Freiheit und Entfaltung.

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Doc Happinez