DER BLOG

Die Kunst des Loslassens

20.Jan 2020

Loslassen ist en vogue. Doch wie geht das? Und warum ist Loslassen so wichtig? Geht’s nicht auch ohne? Dieser Beitrag entführt Dich in die tiefen Deines Unterbewusstseins und zeigt Dir, wie auch Dir loslassen gelingen kann.

Warum ist Loslassen so wichtig? Weil all das, was man festhält, einen unfrei sein lässt. Erstens ist man selbst unfrei, zweitens ist die Person oder Sache, die man festhält, ebenfalls unfrei. Einer Sache ist das vielleicht egal, aber einer anderen Person eher nicht. Manchmal muss man erst Altes loslassen und so Freiraum schaffen, damit etwas Neues entstehen kann. Willst Du Dich einlassen, musst Du loslassen. Denn „es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ sang einmal Silbermond. Das gilt für Reisen wie für Beziehungen und viele andere Lebensbereiche. Was man festhält (das Gegenteil von loslassen), bindet Aufmerksamkeit, die einem für andere, wichtige Ziele nicht zur Verfügung steht. So produziert man in vielen Fällen unnötigen emotionalen Ballast. Dieser Ballast ist selbstgemacht! Wenn Festhalten für Dich funktioniert, dann mach weiter so. Wenn nicht, dann lass los. Der Ballast kann manchmal auch so schwer werden, dass man krank wird, weil man diese Last nicht mehr tragen kann. Vielleicht sendet Dir Dein Körper ja bereits einige Signale. Einfach mal hinhören…

Loslassen besteht aus zwei Komponenten. Los & lassen. Wenn man losgehen will, dann ist es nicht verkehrt, eine Idee davon zu haben, wohin man will. Du brauchst also ein Ziel, eine Entwicklungsrichtung. Also, was willst Du? Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Hier einige Anregungen, was Dein Ziel sein könnte: Menschen wollen was erleben, IHR Leben führen, Zufriedenheit empfinden, sich mit anderen verbinden und angenommen fühlen, eine leidenschaftliche Sexualität ausleben, frei von quälenden Gedanken und Schuldgefühlen sein, Freude erleben, selbstbewusst durchs Leben gehen, sich als Mensch weiterentwickeln oder einen erfüllenden Job haben, der genug Knete mit nach Hause bringt – nur um einige beliebte Highlights aus der Hall of Fame menschlicher Sehnsüchte zu nennen. Wenn da nichts für Dich dabei war, dann finde etwas anderes, was Du willst. Prima, Du hast nun Klarheit darüber, WAS Du willst. Nun fühle Dich in dieses Ziel hinein. Wie viel Bock hast Du darauf? Wenn Du bei dieser Frage auf einer 10er-Skala nicht mindestens bei einer 9 landest, finde ein anderes Ziel, das Dich noch tiefer berührt. Fühle, WARUM dieses Ziel für Dich so bedeutsam ist. Welche Lebensmotive, archaischen Bedürfnisse oder Werte werden befriedigt, wenn Du dieses Ziel erreicht hast? Was wird dadurch in Deinem Leben möglich? Dein Warum zu fühlen, ist wichtig, denn: Wer ein Warum Leben hat, erträgt beinahe jedes Wie, sagte eins Viktor Emil Frankl. Damit ist das „Los“ geklärt.

Nächster Schritt: Was hindert Dich bislang daran, dieses Ziel zu erreichen? Welche Handbremsen musst Du dafür lösen? Was brauchst Du nicht mehr? Was stört Dich immer wieder, wenn Du Dich auf Deinen Weg zum Ziel machst? Was musst Du in Dir neu ausrichten, um Dich geschmeidig auf Deinen Weg machen zu können? Schreibe jetzt alles auf, was in Deinen Augen alles weg muss. Die Kandidaten dafür lassen sich in vier Kategorien einteilen:

Kategorie 1: Liebgewonnene Überzeugungen oder Glaubenssätze

Ich kann das nicht. Das ist zu gefährlich. Das kann ich meinen Eltern/Kindern nicht antun. Die Unsicherheit ist zu groß. Dann mache ich mich schuldig. Wenn das schiefgehen sollte, dann ertrage ich das nicht. Das ist zu anstrengend. Nur mit diesem Partner kann ich glücklich sein. Ohne Studium/Zertifikat/Ausbildung geht das nicht. Das gehört sich nicht. Als Paar muss man zusammenleben. Meine Frau muss mir auf genau diese Art zeigen, dass sie mich liebt. Ohne Kinder macht das Leben keinen Sinn.

Kategorie 2: Toxische Menschen

Welche Menschen verseuchen Deine Energie mit ihren Bad Vibes? Welche Energievampire saugen Dich aus wie die Dementoren in Harry Potter? Welche besserwisserischen Bedenkenträger aus der zweiten Reihe ersticken mit ihrer negativen Art jeden Deiner vorwärtsgerichteten Impulse? Manche Beziehungen tun einem einfach nicht gut oder hindern einen sogar maßgeblich daran, SEIN Leben zu führen. Also: Wer kann weg? Bei der Kandidatenliste für Dein persönliches Dschungelcamp sollte es keine Tabus geben. Auch langjährige Freunde und Familienmitglieder dürfen es sein. Wenn jemand Deine Lebensenergie immer wieder nach unten zieht und das auch nach mehreren freundlich-bestimmten Interventionen partout nicht sein lassen möchte, dann ist Abstand die einzige sinnvolle noch verbliebene Option.

Kategorie 3: Überflüssiger Überfluss

Welche physischen Dinge stehen Dir im Weg? Haus? Auto? 10 Schrankmeter Klamotten? Pornosammlung? Playstation? Gerümpel im Keller? Alte Liebesbriefe? Hello-Kitty-Unterwäsche? Jahreskarte vom FC Bayern? Bei physischen Dingen bedeutet loslassen: verkaufen, verschenken, entsorgen oder aus dem Weg räumen. Bedenke: Alles, was Du besitzt, besitzt auch Dich, denn es muss gepflegt werden, könnte kaputt gehen oder geklaut werden. Allein der damit verbundene Aufwand von Zeit, Geld und Nerven (v.a. Angst) kann einen schon in die Burnoutklink treiben. Wer Dinge kauft (und behält), die er nicht braucht, bestiehlt sich übrigens selbst, sagt ein schwedisches Sprichwort.

Kategorie 4: Verhaltensweisen

Jetzt wird’s tricky. Und vermutlich auch unangenehm. Jetzt sind Eier gefragt. Cojones! Gilt als farbige Metapher für Männer, Frauen und Diverse gleichermaßen. Auf den Eiern stehen Mut, Selbstverantwortung, Anstrengungsbereitschaft/Stärke und Offenheit. In diesem Fall braucht man also vier Eier! Mit ihnen beantwortest Du die Gretchenfrage: Mit welchen Verhaltensweisen stehe ich mir selbst im Weg? Was muss ich in mir ändern, um meinen Weg gehen zu können? Häufig genannte Kandidaten sind: Netflix-, Alkohol-, Drogen-, Schokoladen- oder Fastfood-Konsum. Zeit fürs Rumgammeln und Hyperchillen. Zwanghaftes oder nicht vorhandenes Ordnunghalten. Unproduktive Gewohnheiten. Alte Verletzungen, die noch immer laut nachhallen. Konsum- und statusorientierte Bequemlichkeit. Einen tiefen Groll gegenüber jemandem hegen. Soziale Rückzugs- oder andere Vermeidungsstrategien. Sich endlich von seinen Eltern geliebt, gesehen oder anerkannt fühlen. Erdrückende Übernahme von Verantwortung. Mimosige Verletzlichkeit (Hast Du Dir das Jammern selbst beigebracht oder warst Du auf der Mimimi-Uni?). Neigung zu Eifersuchtsdramen. Andere häufig auftretende störende Verhaltensweisen sind Überheblichkeit, Arbeitswut, Besserwisserei, Rechthabenwollen, Schuld bei anderen suchen, übertriebenes Aufmerksamkeitsgeheische, Harmoniesucht, chronische Unzuverlässigkeit, destruktive Vorwurfsattacken und Bewertungen. Hast Du eine Idee davon, welche Verhaltensweisen Du aufgeben oder sozialverträglich verändern willst, weil Du spürst, wie sehr Du Dir selbst damit im Weg stehst? Im Zweifel sind die Nähe zerstörenden Bewertungen ein Kandidat – davon ist so gut wie kein Mensch hinreichend frei. Du kannst aber auch alles so belassen, wie es ist. Ob etwas ein veränderungswürdiges Thema ist, kannst am Ende nur Du selbst einschätzen. Ehrlich zu sich selbst zu sein, ist nicht immer einfach, aber immer möglich.

Eine kleine Motivationshilfe für zwischendurch: Was kann Dir Loslassen bringen?

Du schaffst Freiräume für die Menschen und Dinge, die für Dein Leben wirklich von Bedeutung sind. Du empfindest häufiger Leichtigkeit und Lebensfreude. Du sparst Dir sehr viele unnötige Momente des Ärgers. Du erlebst Freiheit und Selbstbestimmung, weil DU entscheidest, was Du mitnimmst und was Du zurücklässt. Du erschaffst die Energie, mit der alte Verletzungen und Schuldgefühle heilen können. Du kannst flexibler durchs Leben gehen und erlebst so häufiger Momente, in denen Du Dich im Einklang fühlst. Wenn Du das Leben nicht zwingst, sich Deinen Vorstellungen unterzuordnen, dann lädst Du es ein, Dir das zu geben, wonach Du Dich sehnst.

„Ja, super, will ich alles haben, doch wie geht das jetzt?“, denkst Du jetzt vielleicht. Hoffentlich.

  1. Akzeptanz
  2. Entscheidung
  3. Trauer & Schmerz
  4. Lassen
  5. Los

1. Schritt: Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung dafür, um überhaupt loslassen zu können. Betrachte nun alle Kandidaten in den vier Kategorien. Empfinde eine tiefe Akzeptanz, dass die Dinge gerade so sind, wie sie sind – auch wenn’s sich sehr traurig, schmerzhaft, beschämend oder ärgerlich anfühlen sollte. Die Themen gehen ja nicht weg, nur weil man sie nicht wahrhaben will. Wenn etwas nicht sein darf, dann hält man es fest – und dann wird das nix mit dem Loslassen. Was auch immer jetzt auf Deiner Liste steht, akzeptiere vorbehaltlos jeden Punkt. In dem Moment, in dem Du akzeptierst, bewertest Du nicht, sondern nimmst an, was ist. Manchen hilft es, sich an dem Gedanken „Alles darf sein“ zu orientieren.

2. Schritt: Die Entscheidung, etwas loszulassen, lässt eine kreative Energie entstehen. Sie aktiviert die Selbstverantwortung und öffnet die Tür für lösungsorientierte Handlungsimpulse. Es wächst die Bereitschaft heran, die mit der Entscheidung verbundenen Konsequenzen anzunehmen, selbst wenn man sie noch nicht vollumfänglich überblicken kann. Ist man dafür nicht bereit und später passiert etwas, was einem nicht gefällt, dann hört man sehr wahrscheinlich direkt wieder auf. Fühle in Dir „Ich will das loslassen“, so als ob Du vor dem Altar des Lebens stehen würdest. Und richte Deine Aufmerksamkeit direkt auf den positiven Gewinn des Loslassens aus, den Du vorhin im Abschnitt „Los“ definiert hast. Denn wenn Deine Aufmerksamkeit zu sehr auf das ausgerichtet ist, was weg soll, dann hältst Du es fest. Und das wollen wir ja nicht.

3. Schritt: Je mehr Du etwas festhalten willst, umso mehr brauchst Du ein Gefühl von Traurigkeit, damit Du den Gedanken, den Menschen, die Sache oder die Verhaltensweise loslassen kannst. Denn vor Deinem geistigen Auge siehst Du den Verlust, der mit dem Loslassen verbunden ist. Dieser Anblick verursacht häufig Schmerz. Der Mensch hat die natürliche Neigung, Schmerz zu vermeiden. In diesem Fall ist diese Neigung kontraproduktiv. Der Weg ins Licht führt durch die Dunkelheit hindurch. Es darf wehtun, wenn jemand oder etwas nicht mehr ist. Ein Verlust ist eine traurige Angelegenheit. Die Natur hat uns das Gefühl Trauer mitgegeben, damit wir einen Verlust verarbeiten und loslassen können. Schmerz und Trauer sind in Momenten des Loslassens also sehr hilfreiche Gefühle. Kämpfe nicht gegen sie an, unterdrücke sie nicht. Die Kunst besteht nun darin, diesen Gefühlen einen angemessenen Raum zu geben. Wie groß der ist, findest Du im Laufe der Zeit selbst heraus. Gib Dir Zeit, das zu üben.

4. Schritt: Let it go. Einfach lassen. Einfach nicht mehr machen. Verkaufen, Verschenken, entsorgen oder aus dem Weg räumen. Entscheidend ist, den Widerstand gegen den drohenden Verlust loszulassen. Wenn Dir das noch schwerfällt, dann erinnere Dich daran, was durch das Loslassen in Deinem Leben alles möglich werden kann und wie frei es sich anfühlt, den ganzen Ballast nicht mehr mit Dir herumschleppen zu müssen. Und erinnere Dich an Die Entscheidung, die Du in Schritt 2 getroffen hast: Du WILLST das loslassen.

5. Schritt: Los! Richte den Blick nach vorn. Wohin willst Du gehen? Fühle, wie wichtig Dir das ist. Fühle, WARUM Du dorthin willst (siehe oben). Und geh los!

Du hast jetzt einen klaren Überblick bekommen, wie die Kunst des Loslassens gelingen kann. Erstelle Deine Liste, was und wen Du loslassen willst anhand der vier Kategorien. Akzeptiere, was Du loslassen willst. Fange mit einfachen Kandidaten auf Deiner Liste an, damit Du Erfolgserlebnisse hast und den für Dich passenden Weg des Loslassens entdecken kannst. Sei bereit, Schmerz und Trauer zu empfinden. Gebe diesen Gefühlen den Raum, den sie brauchen, um ihre natürliche Funktion erfüllen zu können. Geh los und führ Dein Leben.

Wenn Du die Macht Deiner Gefühle mal persönlich erleben möchtest, dann komm am 31. Januar 2020 von 18:30-21:30 Uhr zu uns in den Weißen Salon in Köln Ehrenfeld. Alle wichtigen Details dieses spannenden Intensivworkshops findest Du hier:

https://www.facebook.com/events/2571725119570341/

oder sende direkt eine e-Mail an: service (at) FDL-coaching.de

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez