DER BLOG

Mach den Mund auf

25.Apr 2014

"Be a voice - not an echo."
Hast Du was zu sagen? Verschaffst Du Deiner Stimme Gehör? Vertrittst Du Deine Standpunkte klar und souverän? Oder lässt Du Dein Verhalten von den Erwartungen anderer oder von einer gefühlten normativen Mitte steuern?
Nach Cialdini ist die soziale Bewährtheit eines der mächtigsten Prinzipien sozialen Einflusses. Wir wollen das sagen und tun, was die meisten anderen auch tun. Wir passen uns an, um dazuzugehören. Das steckt ganz tief im Menschen drin. Der Nachteil ist, dass man einen Teil seiner Identität aufgibt, der bis zu Selbstaufgabe führen kann: Dann erfüllt man überwiegend die (meist unausgesprochenen) Erwartungen anderer und führt nicht sein eigenes Leben.
Es gibt noch weitere Ursachen, die einen davon abhalten können, souverän den Mund aufzumachen: Der Antreiber "Mach es allen recht" oder ein ausgeprägtes Anerkennungsmotiv, das einen leitet, Kritik zu vermeiden. Auch ein ausgeprägtes Harmoniemotiv kann einen dazu bringen, den eigenen Standpunkt nicht hinreichend klar zu äußern, weil man Konflikte vermeiden möchte.
Natürlich ist das nicht schwarz-weiß: Anpassung gehört zum Leben dazu, sonst funktionieren soziale Systeme nicht. Es ist nur hilfreich zu spüren, wann Anpassung zu einem Selbstzweck wird, wann man sich so sehr anpasst und wichtige Teile seiner Identität aufgibt, bloß um Zugehörigkeit zu fühlen oder um Kritik bzw. Konflikte zu vermeiden.

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez