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Selbsterkenntnis

01.Apr 2014

Die meisten Menschen haben ein verzerrtes Bild von sich. In einer brandaktuellen Metaanalyse von 22 Studien mit 200.000 Teilnehmern fanden Psychologen der University of North Carolina heraus, dass Menschen ihre Fähigkeiten sehr selten treffend einschätzen können: Sie überschätzen sich entweder maßlos oder machen sich selbst unnötig klein. Fazit: Unsere Selbstwahrnehmung ist in der Regel mangelhaft. Besonders plakativ ist dieses Phänomen bei Castingshows wie DSDS oder GNTM zu beobachten. In diesem Fall hat das Fremdschämpotenzial der Selbstüberschätzung zwar einen öffentlichen Unterhaltungswert, macht es aber nicht besser. Die Forscher fanden nämlich heraus, dass die Fähigkeit, sich selbst realistisch einzuschätzen, maßgeblich die Weichen für ein zufriedenes Leben stellt: Klassiker sind die Berufs- und Partnerwahl; doch auch die alltäglichen Erlebnisräume und Lernchancen, die man sich zutraut und erlaubt, sind durch das Selbstbild maßgeblich beeinflusst.
Ein Blick auf die Ursachen ist sehr spannend: Warum sind Selbst- und Fremdbild häufig so verzerrt? Wir sehen uns, wie wir sein wollen bzw. meinen, sein zu sollen. Dieser Wahrnehmungsfilter setzt sich auch Glaubenssätzen, Antreibern, Ich-Haltungen, ausgeprägten Lebensmotiven und sozio-kulturellen Erwartungen zusammen. Die zweite Ursache liegt darin, dass wir häufig kein gutes Feedback von unserer Umwelt erhalten: Rücksichtnahme, Höflichkeit und Konfliktvermeidung führen dazu, dass uns unsere Umwelt einen ehrlichen Blick in den Spiegel verwehrt.
Der geneigte Leser mag jetzt denken: „Ich lass das jetzt so – hat ja bislang prima funktioniert.“ Wirklich? Natürlich gehörst Du nicht zu den meisten Menschen…hm…ja klar.


Was kann man tun, um Selbst- und Fremdbild in eine größere Übereinstimmung zu bringen und damit die Weichen für einen individuell stimmigen Lebensweg stellen?
1. Tauche in die Selbsterkenntnis ein, dass wir alle ein verzerrtes Selbstbild haben. Diese gilt es nicht nur gedanklich, sondern vor allem gefühlsmäßig zuzulassen. Das ist häufig zu Beginn ein unangenehmes Erlebnis.
2. Bitte die Menschen, die Dich gut kennen, um konsequente Ehrlichkeit und befreie sie vom Diktat sozialer Höflichkeit und vermeintlicher Rücksicht. Ehrlichkeit ist ein wirksamer Dünger, der Potenziale aufblühen lässt.
3. Du kannst Dir einen guten Coach gönnen. Oder – wenn Du diese Erkenntnisse direkt schwungvoll nutzen willst – kommst Du zu uns in den Grünen Salon und lässt Dich von Dir selbst inspirieren.


In diesem Sinne: The truth will set you free – but first it will piss you off.
Quelle: Perspectives on Psychological Science, Bd. 9 (2014), S. 111.
Inspiriert von Süddeutsche Zeitung vom 30. März 2014: "Wir sind alle Helden"

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez