DER BLOG

Vergebung

14.Mai 2015

*Warum überhaupt Vergebung?*
Vergebung ist eine kreative Wunderpille. Der Bedarf für Vergebung entsteht, wenn jemand die eigenen Grenzen und damit die Integrität der eigenen Persönlichkeit verletzt hat. Dadurch entsteht das Gefühl, dass einem Unrecht widerfahren ist. Wenn man nicht vergibt, dann lebt ein Teil von einem in der Vergangenheit – gefangen in einer frustrierenden Endlosschleife. Lässt man diese Endlosschleife nur lange genug laufen, stehen die Chancen gut, dass die Seele, verfolgt von fiesen Flashbacks aus der Vergangenheit, verbittert. Die Vergangenheit kann man jedoch nicht ändern, sondern nur akzeptieren und bei Bedarf etwas aus ihr lernen. Vergibt man, dann sprengt man die Fesseln der Vergangenheit und kann wieder das ganze Potenzial seines Lebens ausschöpfen. Die Erkenntnis ist nun wirklich nicht neu, man denke nur an Jesus‘ letzte Worte. Doch wenn Vergebung so ein alter Kaffee ist, warum fällt es dann so vielen Menschen so schwer zu vergeben?

*Rache ist süß*
Hat jemand ein ausgeprägtes Lebensmotiv „Rache/Kampf“, dann kann einem das intuitive Bedürfnis nach Vergeltung im Weg stehen; man will erst quitt sein, bevor man weitermachen kann. Denn Rache ist süß, die Süße lässt einen bitteren Beigeschmack erst gar nicht aufkommen oder übertüncht ihn. Gibt es juristische Möglichkeiten für eine Satisfaktion, dann kann man diese nutzen. Alternativ kann man auch den Urheber der Verletzung das eigene Erleben erläutern und um eine Entschuldigung bitten. Hierbei sind allerdings die eigenen Heilungschancen von der Einsicht und Selbstverantwortung eines anderen Menschen abhängig; das kann funktionieren, muss aber nicht. Daher ist es empfehlenswert, nicht mit einer klaren Erwartung in eine solche Begegnung zu gehen („Du musst Dich jetzt aber entschuldigen.“), sondern diese einfach als Gelegenheit zu sehen, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen und seiner Stimme Gehör zu verschaffen. Wenn der andere zuhört und darauf eingeht – fein. Und wenn nicht, dann ist das eben so. Man kann seinen Vergeltungsanspruch auch einfach aufgeben und die Vorstellung, dass der andere dann ja gewonnen hat, wenn man seinen Frieden findet, in die Shitbox werfen. Wenn man vergibt, dann kann man sich über eine eventuelle Entschuldigung wirklich freuen – und macht es vermutlich sogar wahrscheinlicher, dass man diese irgendwann auch hört.

*Ein Opfer ist nie auf Augenhöhe*
Sehr beliebt ist auch eine dauerhafte Opferhaltung, weil ein (gefühltes) Schwein einen verletzt und einem Böses angetan hat. Dann steht einem nicht nur der eigene Schmerz im Weg, sondern auch die Bedrohung, die eigene Opferhaltung aufgeben zu müssen. Denn Opfer zu sein, hat viele Vorteile: Man erfährt Mitgefühl, vielleicht sogar Mitleid, man bekommt die Armes-Hascherl-Gedächtnis-Medaille verliehen und – besonders attraktiv – man bekommt moralisch recht: „Ich bin gut, der andere böse.“ Man erfährt eine „perverse Aufmerksamkeit“, die sich auch noch irgendwie attraktiv anfühlt. Eine mögliche Lösung besteht in der Bereitschaft, diesen (vermeintlichen) Nutzen aus dem Rumopfern aufzugeben und sich den Preis deutlich zu machen, den man weiterhin fürs Rumopfern bezahlt: „Ich kann so nicht in der Gegenwart leben. Im Hier und Jetzt lasse ich meinen Frust an Menschen aus, die nichts damit zu tun haben und die mir eigentlich lieb und teuer sind. Ich reibe mich daran auf, die Vergangenheit ändern zu wollen. Und vor allem gebe ich weiterhin einem (gefühlten) Schwein die Macht über mein Leben. Und das Schlimmste ist, dass ich durch mein Rumopfern im Hier und Jetzt intuitive Einladungen ausspreche, wieder meine Grenzen zu verletzten, mich auszunutzen, mich nicht ernst zu nehmen etc. Das alles will ich nicht mehr. Ich will ein freier Mensch sein – und zwar jetzt!“ Eine fundamentale Voraussetzung für die Befreiung vom Opferstatus ist Vergebung. Bevor man dazu emotional bereit ist, braucht man in einem ersten Schritt häufig Mitgefühl (kein Mitleid!), Anteilnahme, Zeit für Trauer und bei Bedarf auch einen Freiraum, um seine Wut über die erfahrene Verletzung reinigend auszuleben. Dann ist es aber auch Schluss mit dem Blick zurück. Unterstützend kann dabei wirken, in einem nächsten Schritt den Blick nach vorne zu richten und die Aufmerksamkeit auf ein attraktives Ziel zu legen, das man nur erreichen kann, wenn man sich nicht mehr als Opfer fühlt, z.B. eine Beziehung auf Augenhöhe führen, ernst genommen zu werden, Lebensfreude spüren oder ein gutes Vorbild für die eigenen Kinder zu sein.

*Von der Schuld zur Verantwortung*
Ein dritter Hinderungsgrund ist das häufig vorkommende Bedürfnis, dass jemand schuld sein muss. Denn wenn jemand anders schuld ist, dann bin ich es nicht – und damit bin ich moralisch überlegen. Allein der Anspruch, dass sich jemand für etwas entschuldigen soll, setzt ja voraus, dass der andere schuld ist und man selbst nicht. Vielleicht hat man ja auch selbst etwas zur Eskalation beigetragen oder den anderen irgendwie dazu eingeladen, einen zu verletzen und nicht zu respektieren. Es ist sehr schwer, seine eigene Verantwortung zu sehen, wenn man in schwarz-weißen Schuld/Unschuld-Kategorien denkt. Schuldfetischisten finden immer wieder illustrierende Beispiele dafür, warum der andere denn schuld ist – und erzählen ihre Geschichten in einem vorwurfsvollen und von Verachtung geprägten Unterton jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Ein beliebtes Stilmittel ist dabei, die eigenen Annahmen über die Motive des anderen als faktisch feststehende Wirklichkeit anzusehen. Aber wann weiß man wirklich zu 100%, warum jemand etwas getan hat? Zur Verantwortung gehört daher auch, alle Annahmen über das Verhalten anderer erst einmal als wertungsfreie Arbeitshypothese zu verwenden und bei Bedarf die wahren Beweggründe zu recherchieren. Oder man kann es eben einfach gut sein lassen und vergeben. Einfach so. Ist doch am Ende höchstens zweitrangig, wer denn nun wie viel Schuld hat. Man kann sich auch aussprechen, vielleicht sogar eine kleine selbstironische „Wer-hat-hier-wen-am-meisten-verletzt-Olympiade“ durchspielen, doch das Endziel kann nur sein, einen konstruktiven Schlussstrich unter das zu ziehen, was mal war. Und wenn man möchte, dass ein Anderer Verantwortung für sein Verhalten übernimmt, dann ist es ungemein hilfreich, wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, Verantwortung übernimmt und vergibt – auch wenn der andere gefühlt mehr Mist gebaut hat als man selbst. Das Ego zahlt zwar kurz einen stolzen Preis, doch der Gewinn ist kurz danach um so viel höher als die Kratzer am Stolz. Oder man verzichtet darauf, kultiviert sein Bedürfnis, dass andere schuld sein müssen, solange, bis daraus eine veritable Lebenseinstellung geworden ist und man freie Fahrt auf dem Highway zur Verbitterung hat.

*Man kann auch mit dem größten Horror seinen Frieden machen*
Im Rahmen des Auschwitz-Prozesses gegen Oscar Gröning sagte die Holocaust-Überlebende Eva Kor „Ich habe den Nazis vergeben und dadurch wieder Macht über mein Leben. Viele Menschen haben Schmerz und Zorn in sich, aber damit überlebt man nicht. Vergebung ist ein Akt der Selbstbefreiung. Kostenlos und ohne Nebenwirkungen.“

*Nun setze Dich selbst ans Steuerrad Deines Lebens*
Wem räumst Du unnötige Macht über Dein Leben ein?
Wem könntest Du vergeben?
Welche Freiheit könntest Du dadurch für Dein Leben gewinnen?

Wenn auch Du die Möglichkeiten der Vergebung und anderer spannender Wege für ein selbstbestimmtes, freies Leben für Dich entdecken möchtest, dann unterstützen wir Dich gerne dabei. Im Workshop FDL 1 „Der Aufbruch“ macht man sich nicht nur auf seinen Weg, sondern bricht auch alte Verkrustungen auf und befreit sich vom lähmenden Echo unschöner Lebenserfahrungen. Bei manchen Themen hat sich Vergebung als wertvolles Instrument erwiesen. Willst Du mehr erfahren? Dann findest Du hier alle spannenden Details:
https://www.facebook.com/events/1713080292250973/

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez