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Tipp der Woche Nr. 13

18.Mai 2015
Einen Fehler zu akzeptieren, kann doch nicht so schwer sein. Ein Blick in die Praxis zeigt jedoch: Es ist für die meisten Menschen eine echte Herausforderung, einen entspannten Umgang mit Fehlern zu finden - egal ob eigene oder die anderer. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?

Ursache 1: Ausgeprägtes Anerkennungsmotiv
Hat man ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Anerkennung, dann ist der Selbstwert abhängig von positiven Bestätigungen von außen.
Daher möchte man Fehler vermeiden und strebt vielleicht sogar nach Perfektion. Macht man einen Fehler, ist der Selbstwert bedroht. Das kann man toll finden oder nicht - gegen das Bedürfnis an sich kann man nichts machen, sondern nur akzeptieren. Man kann sich allerdings dafür entscheiden, sich innerlich fluffig und aus seinem Herzen im Falle eines Fehlers keine Mördergrube zu machen. Hilfreich ist dabei das klare Bewusstsein, dass man selbst nicht Scheiße ist, nur weil man in einer bestimmten Situation Scheiße gebaut hat (für den Fall, dass man tatsächlich einen kapitalen Bock geschossen hat). So fällt es leichter sich für die Ergebnisse seiner Handlungen verantwortlich zu fühlen und das ganze Lernpotenzial auszuschöpfen (siehe unten).

Ursache 2: Antreiber "Mache es allen recht" und/oder "Sei perfekt"
Jeder Mensch hat durch seine Erziehung Antreiber mitbekommen. Dies ist auch gut so, denn sie treiben uns dazu an, uns sozialverträglich zu verhalten; man stelle sich nur jemanden vor, dem es vollkommen egal ist, was anderen Menschen wichtig ist. Kritisch werden Antreiber allerdings dann, wenn sie überdreht sind und zum Selbstzweck geworden sind. Wenn man es allen recht machen möchte, dann sagt einem eine innere Logik, dass man keine Fehler machen darf. Ergänzend bzw. alternativ kann der Antreiber "Sei perfekt" die negative Sichtweise auf einen Fehler noch verstärken.

Ursache 3: Wertungen
Wenn man in Fehlerkategorien denkt, ist der Weg nicht mehr weit, bis man in einem Sumpf der Schuld festhängt. Ein Fehler wird ja nur dadurch fies, indem man ihn negativ bewertet. Wertungen sind Ohrfeigen für die Seele. Alternativ könnte man eine wertungsfreie, lösungsorientierte Perspektive einnehmen und einfach feststellen: "Das ist jetzt nicht so gelaufen wie gewünscht. Welche Möglichkeiten gibt es noch, um das Ziel zu erreichen?"
Einen kurzen Moment des Ärgers kann man sich gleichwohl gönnen, denn Ärger ist ein Gefühl, das sich einstellt, wenn man mit etwas unzufrieden ist. In verdaulichen Dosen setzt Ärger kreative Veränderungsenergie frei. Die negative Kraft der Wertungen kann man zudem dadurch entspannen, wenn man sich fragt, wann und wie man gelernt hat, dass Fehler angeblich so schlimm sein sollen. Hat man diese Lebenserfahrungen identifiziert, so kann man sich innerlich von ihnen distanzieren.

Gechillte Akzeptanz
Eine Lösung für alle drei Ursachen ist die Akzeptanz: "Ist eben einfach so." Entscheidend ist dabei, sämtliche Wertungen sein zu lassen. Auf dieser Grundlage ist es bedeutend einfacher, Verantwortung zu übernehmen. Bruce Lee meinte hierzu einmal: "Einen Fehler kann man verzeihen, wenn man den Mut hat, ihn zuzugeben." Das bezieht sich auf andere Menschen 
als auch auf einen selbst. Meist gehen wir mit uns selbst am härtesten ins Gericht. Ein Fehler fühlt sich schwer an, wenn ihn die negative Aura der Katastrophe umgibt. Das Ziel ist demnach, einen entspannten und erwachsenen Umgang mit Fehlern zu finden. Ein lamentierendes Anerkennungmotiv, überdrehte Antreiber und sich verselbstständigende Wertungen kann man dabei nicht gebrauchen - die stören nur den inneren Funkverkehr und hindern einen daran, den Blick lösungsorientiert nach vorne zu werfen. Daher lautet die Empfehlung der FDL-Redaktion, innerlich einfach mal zu chillen, den Dramafilter auszublenden, zu akzeptieren was ist und den Blick nach vorne zu richten. Dabei hat es sich in der Praxis als sehr wertvoll erwiesen, das Wort Fehler nur noch homöopathisch dosiert zu verwenden und gedanklich durch "ist-nicht-so-gelaufen-wie-gewünscht-Ding" zu ersetzen.

Mit Leichtigkeit Potenziale nutzen
Jeder weiß, dass "ist-nicht-so-gelaufen-wie-gewünscht-Dinge" dazu da sind, um aus ihnen zu lernen. Das ist nur unglaublich schwer, wenn man so viel negativen Hassel um sie macht. Gechillte Akzeptanz macht es einem so unendlich viel leichter, die kreativen Potenziale seines Lebens zu nutzen.

Dein persönlicher Mehrwert
Über welchen Fehler hast Du Dich zuletzt unnötig stark aufgeregt?
Welche Ursachen erkennst Du für die Komponente "unnötig stark"?
Was kann Dir helfen, Akzeptanz zu finden?
 

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez