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Zwang kreiert Widerstand

01.Jun 2015

ZWANG KREIERT WIDERSTAND
"Du darfst" kennen wir alle als Claim für eine kalorienbewusste Ernährung. Erlaubnisse sind allgemein im Leben DER Schlüssel für ein freies und selbstbestimmtes Leben. Verbote wirken wie ein mentales Gefängnis. Dieses Gefühl provoziert häufig eine rebellische Reaktion. Selbst weniger gravierende Einschränkungen wie "Du musst" haben einen ähnlichen Effekt. Überall, wo Zwang mit im Spiel ist, spricht man eine Einladung aus, in den Widerstand zu gehen. Damit sorgt man selbst dafür, dass die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, dass am Ende genau das passiert, was man ursprünglich verhindern wollte. Eckhart Tolle brachte dieses Phänomen einmal passend auf den Punkt: "All dem, dem wir Widerstand entgegensetzen, das halten wir fest." Warum ist das so? In vielen Menschen scheint ein natürlicher Drang zu schlummern, frei zu sein und sich nicht bevormunden zu lassen - zumindest wenn man seine Pubertät erfolgreich bewältigt hat. Ein weiterer Grund ist, dass man sich durch ein Verbot oder ein "Du musst" indirekt abgewertet fühlt - insbesondere dann, wenn im Unterton der Verbietenden ein "ich bin okay, Du bist nicht okay" oder "ich weiß es besser als Du" mitschwingt. Es gibt nur wenige Menschen, denen es egal ist, wenn andere ihnen vermitteln, dass sie nicht in Ordnung sind.

AKZEPTANZ UND LOSLASSEN
Neben einer wertungsfreien Haltung ist für den Verbietenden die zentrale Herausforderung, sein Kontrollbedürfnis auf ein sozialverträgliches Niveau herunterzudampfen. Alternativ kann man den Sinn und Zweck einer Regel erklären und über eine rationale Einsicht auf eine emotionale Einsicht konstruktiv hinwirken - und so echtes Commitment schaffen. Die Voraussetzung für eine wertungsfreie Haltung ist Akzeptanz, die für ein entspanntes Kontrollbedürfnis ist Loslassen.

SELBSTVERANTWORTUNG
Wahre Freiheit ist, wenn man sich freiwillig an Regeln hält - und eben nicht, weil man es muss. Das gilt für die kalorienbewusste Ernährung wie für die Kindererziehung und eine glückliche Partnerschaft. Einen "Haken" hat die Freiheit allerdings: Man muss für seine Entscheidungen selbst Verantwortung übernehmen; man kann sich nicht mehr darauf zurückziehen, dass man bestimmte Sachen nur deshalb gemacht hat, weil einen jemand dazu gezwungen hat. Selbstverantwortung kann auch anstrengend sein, weil man selber denken muss. Das ist nicht für jeden was.

PERSÖNLICHER BEZUG
Drei spannende Reflexionsfragen zum Wochenanfang:
- Wie frei bist Du?
- Wie frei willst Du sein?
- Bist Du bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen?

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez