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MIT GRENZEN ZUR FREIHEIT

03.Aug 2015

Die eigenen Grenzen zu (er)kennen und konstruktiv zu setzen, ist für jeden Menschen ein bedeutsames Thema. Denn jeder Mensch befindet sich in Beziehungen zu anderen Menschen: Eltern und Kind, Führungskraft und Mitarbeitende, zu Freunden oder in einer Partnerschaft. In jeder dieser Beziehungen wollen Grenzen entdeckt, ausgehandelt, gesetzt und respektiert werden. Zudem befindet sich jeder in der wichtigsten Beziehung überhaupt: In der Beziehung zu sich selbst – auch hier sind klare Grenzen hilfreich, denn schließlich muss man sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen. Die zentrale Frage lautet: „Wie erkenne ich meine Grenzen und wie kann ich dafür sorgen, dass sie respektiert werden?“ Eigentlich geht es dabei um die Selbstverantwortung für die eigenen Bedürfnisse, deren Erfüllungspotenzial man schützen möchte. Das klingt marketingmäßig aber nicht so attraktiv, daher sprechen wir von Grenzen setzen. Ach ja, damit ist nicht gemeint, anderen Menschen ihre Grenzen aufzuzeigen, was abgesehen vom Sport übergriffig wäre. Apropos Selbstverantwortung: Wir gehen später auch der Frage nach „Womit lade ich andere Menschen ein, meine Grenzen nicht zu respektieren?“


WILLST DU WIRKLICH LEBEN ODER GELEBT WERDEN?
Wenn man sich bevormundet, angegriffen, ausgenutzt oder ignoriert fühlt, ist häufig eine Grenzüberschreitung die Ursache. Wenn die eigenen Grenzen missachtet werden, dann ist das frustrierend und anstrengend. Man hat dann das Gefühl, gelebt zu werden, anstatt selbst zu leben – denn das Erlebnis ist, dass etwas mit einem gemacht wird. Manche fühlen sich dann wie eine fremdgesteuerte Marionette. Wenn man dies auch noch bei vollem Bewusstsein erlebt, dann ist das so richtig unangenehm. Passiert dies in schöner Regelmäßigkeit, dann kann einen das überfordern oder sogar krank machen. Wenn man Pech hat, kriegt man sogar eine 10er-Karte für eine Burnout-Klinik. Dieser Beitrag bietet Inspirationen für ein selbstbestimmtes Leben mit hohem Zufriedenheitspotenzial, indem er spannende Antworten auf diese Fragen bietet:
Wie kann ich meine Bedürfnisse und damit meine Grenzen überhaupt wahrnehmen?
Wie kann ich meiner Stimme angemessen Gehör verschaffen und konstruktiv äußern, was ich möchte und was nicht?
Wie komme ich mit den Konsequenzen meiner Entscheidung klar?
Am Anfang steht die persönliche Entscheidung, dass man überhaupt ein freies und selbstbestimmtes Leben führen will. Dieser Lebensentwurf ist ja keine Garantie für Zufriedenheit und Glück. Es steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Selbstrespekt und damit das Selbstvertrauen wachsen. Wenn man diese Belohnung als hinreichend attraktiv empfindet, steigt üblicherweise die Bereitschaft, sich in Bewegung zu setzen und auch am Ball zu bleiben, wenn sich die Dinge mal nicht so wie gewünscht entwickeln.


WER IST DER ÜBELTÄTER?
Zum einen gibt es andere Menschen, die Deine Grenzen überschreiten. Hierzu fallen Dir vermutlich unzählige Beispiele ein. Zum anderen gehört man bisweilen auch selbst zum erlesenen Kreis derjenigen, die einem das Leben schwermachen, z.B. wenn man überehrgeizig ein Ziel verfolgt und nicht die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit wahrnimmt. Hier ist auch die oben gestellte Frage „Womit lade ich andere dazu ein, meine Grenzen nicht zu respektieren?“ wieder relevant. Das praktische Leben zeigt, dass man es leichter hat, wenn man nicht in schwarz-weißen Kategorien wie Täter-Opfer oder Schuld-Unschuld, sondern in Graustufen denkt: Life is a million shades of grey. In fast jeder Lebenssituation gibt es komplexe Wechselwirkungen, die man leichter erkennt, wenn man sich von dem Wunsch verabschiedet, dass irgendjemand an einem Problem schuld sein muss. Die Empfehlung der FDL-Redaktion lautet an dieser Stelle: Betrachte jede Situation wertungsfrei (und damit jenseits von Schuld) und gestehe Dir selbst zu, dass Du (noch) nicht alle relevanten Fakten und Zusammenhänge kennst.

Reflexionsfrage: Wenn Du an die letzte Situation einer Grenzüberschreitung denkst, welche möglichen Ursachen und Zusammenhänge erkennst Du?


FÜNF VARIANTEN DER GRENZÜBERSCHREITUNG
Variante 1: Falsche Annahmen, z.B. wenn man davon ausgeht, dass bestimmte Grenzen doch einfach jedem klar sein müssen und daher nicht erklärungsbedürftig sind.
Variante 2: Die Grenze ist unklar oder schwammig, z.B. wenn man nur andeutungsweise oder zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, was man möchte und was nicht.
Variante 3: Erlebnisvermeidung, z.B. wenn man auf eigene Bedürfnisse verzichtet, um Konflikten, Ablehnung oder Gefühlen (v.a. Angst, Scham) aus dem Weg zu gehen.
Variante 4: Zur Gewohnheit gewordener innerer Antrieb, z.B. wenn man einen Glaubenssatz unter allen Umständen ausleben möchte – wie die immer hilfsbereite „Mutter der Kompanie“, die sich leidenschaftlich gerne aufopfert.
Variante 5: Wiederholte Grenzüberschreitung, obwohl man seine Bedürfnisse mehrfach auf sozialverträgliche Art und Weise deutlich gemacht und um Einhaltung dieser Grenzen gebeten hat.

Tendenziell lassen sich bei Variante 1 am leichtesten und bei Variante 4 am schwierigsten Fortschritte hin zu einem freien, selbstbestimmten Leben erzielen. Bei Variante 1 liegt die Lösung in dem Bewusstsein, dass das Leben eine einzige große Sammlung von Hypothesen darüber ist, welche Absichten dem Verhalten anderer Menschen zugrunde liegen. Im Eifer des sozialen Gefechts verwechseln wir zu häufig Annahmen und Wirklichkeit – und sind dann beleidigt, weil wir dem anderen einfach eine Absicht unterstellen. Sich dieses Umstands bewusst zu sein, kann das Leben nachhaltig leichter machen und ist nicht nur beim Thema Grenzen setzen wertvoll.
Bei Variante 2 mag einem der Gedanke „Sprechenden Menschen kann geholfen werden“ neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Natürlich muss man nicht immer jedes Bedürfnis per Flipchart, Problemkerze oder Stuhlkreis unmissverständlich zum Ausdruck bringen. Nur wenn eben dezente Hinweise nicht ausreichen, dann ist es eine Option, den Mund aufzumachen und klar zu sagen, was man möchte und was nicht.
Bei Variante 3 und 4 braucht man vor allem Mut zur Veränderung, wenn man dauerhaft andere Ergebnisse erzielen möchte. Mut entsteht aus dem tiefen Wunsch, etwas so sehr zu wollen, dass die Angst vom Aufmerksamkeitsradar verschwindet.
Bei Variante 5 bringen einen im ersten Schritt nur Akzeptanz und Geduld weiter. Wenn sich der andere konsequent weigert, sich auch nur ansatzweise kooperativ zu verhalten, dann kann man entweder über den juristischen Weg eine Klärung herbeiführen (sofern es das Thema hergibt) oder einfach weiterziehen. Manchmal ist die Beziehung zum anderen so wichtig bzw. Preis der Veränderung so hoch, dass man die fortwährenden Grenzüberschreitungen weiterhin aushält und geduldig wie eine tibetanische Gebetsmühle wiederholt, was man möchte und was nicht.

Reflexionsfrage: In welcher Häufigkeit kommen diese fünf Varianten der Grenzüberschreitung in Deinem Leben vor?

 

VERSCHIEDENE ARTEN VON GRENZEN
Eine Grenze ist nicht gleich eine Grenze. Manche Grenzen sind offen wie im EU-Binnenmarkt. Manche Grenzen schwingen innerhalb einer grundsätzlich passenden Bandbreite flexibel hin und her. Manche Grenzen haben sehr restriktive Kontrollen, bis sie jemand passieren darf. Manche Grenzen stehen unverrückbar fest, sind wie in Stein gemeißelt. Und manche Grenzen wiederum sind so engmaschig mit Verteidigungsanlagen durchzogen, dass jeder, der sich ihnen unaufgefordert nähert, direkt einen auf die Mütze bekommt. Hierbei spielen die bisherigen Lebenserfahrungen eine entscheidende Rolle: Habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Grenzen überschritten werden? Habe ich als Kind gelernt, dass meine Bedürfnisse wahrgenommen und nach Möglichkeit erfüllt wurden? Hat mir das Leben – vermeintlich – beigebracht, dass ich vorsichtshalber die Grenzen anderer überschreiten muss, damit sie mir nicht wehtun können?
Reflexionsfrage: Im Kontakt mit welchen Menschen bevorzugst Du welche Art von Grenze? Und zu welchen Ergebnissen führt das?


INDIVIDUELLE URSACHENFORSCHUNG
Bevor man die für sich passenden Lösungen findet, braucht man ein klares Verständnis über die Ursachen für eine unklare oder zu großzügige Grenzziehung. Die Ursachen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Meist spielen mehrere Ursachen zusammen, die sich ergänzen oder auch verstärken können.
Das intuitive Bedürfnis, seine Grenzen deutlicher zu machen als bisher, entsteht dem wiederholten Erlebnis, dass man zu etwas Ja gesagt hat, obwohl man dazu „eigentlich“ hätte Nein sagen wollen. Doch was bringt einen Menschen dazu, etwas herzuschenken, was er eigentlich behalten möchte? Warum lässt man sich freiwillig die Butter vom Brot nehmen? Jedes Verhalten hat mindestens einen guten Grund. Dieser Grund muss nicht objektiv vernünftig sein, er muss nur für einen selbst irgendwie einen Sinn ergeben.

Ein Überblick über die klassischen Ursachen:
Der Glaubenssatz „Nur wenn ich hilfsbereit bin, mich um andere kümmere oder mich gar für andere aufopfere, bekomme ich Anerkennung, werde ich gesehen, bin ich liebenswert, habe ich eine Existenzberechtigung.“ kommt in der Praxis häufig in den unterschiedlichen Schattierungen vor. Ist ein solcher Glaubenssatz Bestandteil des emotionalen Autopiloten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man Verhaltensweisen an den Tag legt, die mit diesem Glaubenssatz vereinbar sind. Der Glaubenssatz „Meine Bedürfnisse sind weniger wichtig als die anderer Menschen.“ kreiert ähnliche Ergebnisse. Richtet man sein Verhalten an diesem Glaubenssatz aus, dann kommt man vermutlich meist zu kurz.

Das Bedürfnis „Ich will mich gebraucht und damit wichtig/bedeutsam/wertvoll fühlen“ hat eine ähnliche Wirkung. Die Belohnung für ein Verhalten, das von einer solchen Grundhaltung gelenkt wird, ist auch verdammt attraktiv: Man hat das Gefühl, einen Beitrag zu leisten, sich sozial erwünscht zu verhalten und dafür Anerkennung zu bekommen. Dafür gibt man schon mal gerne wichtige eigene Bedürfnisse auf. Interessanterweise tut man denjenigen, denen man hilft, auf Dauer auch keinen Gefallen mit seiner bewunderungswürdigen Hilfsbereitschaft, weil man indirekt anderen die Verantwortung für ihr Leben abnimmt oder sogar symbiotische Abhängigkeiten entstehen lässt.

Auch die Antreiber aus der Transaktionsanalyse „ Mach es allen recht!“ und „Sei perfekt!“ können einen dazu motivieren, den eigenen Bedürfnisse nicht ihre angemessene Existenzberechtigung einzuräumen.

Die nächste Station lautet „Ängste in verschiedenen Farben und Größen“. Viele Menschen haben Angst vor Zurückweisung. Diese Angst kommt zum einen aus dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe und Verbundenheit, wenn einem die Beziehung zu einem anderen Menschen ausnehmend wichtig und man daher bereit ist, beinahe jeden Preis dafür zu zahlen, um diese aufrechterhalten. Die Angst vor Zurückweisung kann zum anderen aus dem Bedürfnis kommen, Kritik (negative Anerkennung) zu vermeiden. Der Selbstwert vieler Menschen ist davon abhängig, positive Bestätigungen von außen zu bekommen. Wenn man für seine eigenen Bedürfnisse eintritt, dann bedeutet das häufig, dass andere nicht sofort alles bekommen, was sie möchten, wofür man wiederum möglicherweise sogar deutliche Kritik erntet, z.B. „Wie kannst Du nur so egoistisch sein?!“. Die dritte Form der Angst ist die Angst vor dem Unbekannten: Wenn man selbstbewusst für seine Bedürfnisse eintritt, dann befürchtet man, die Konsequenzen nicht kalkulieren zu können, was man wiederum als Bedrohung empfindet. Manchen Menschen ist es wichtig, dass sich ihr Leben planbar, berechenbar und vorhersehbar anfühlt. Wenn man zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer einen Konflikt vermutet, dann kann die Angst vor Zurückweisung, vor Kritik oder vor dem Unbekannten einen dazu bringen, die eigenen Grenzen gar nicht oder nur sehr schwammig festzulegen – und damit andere dazu einzuladen, sich grenzüberschreitend zu verhalten.

Schamvermeidung: Scham ist ein Gefühl, das einen beschleicht, wenn man die Verachtung anderer oder gar soziale Ausgrenzung verhindern möchte. Scham hat die Funktion, soziale Systeme zusammenzuhalten, indem sich die Beteiligten an offizielle und unausgesprochene Verhaltensregeln (Kodex) halten. Hält man sich nicht an den Kodex, empfinden die anderen Verachtung. Da sich das nicht schön anfühlt, möchte man dieses Erlebnis vermeiden. Ein Beispiel: In einer Firma gehört es zum guten Ton, hilfsbereit zu sein. Nun kommt ein Kollege kurz vor Feierabend auf Dich zu und bittet Dich darum, ihm bei einer Aufgabe zu helfen. Du hast allerdings andere Pläne. Da es sich aber in diesem sozialen Umfeld eben gehört, hilfsbereit zu sein, übernimmst Du die Aufgabe. Denn nicht nur der „Antragsteller“ könnte Dir einen tadelnden Blick schenken, sondern die übrigen Kollegen ebenfalls. Ein weiteres Beispiel: Eine junge Mutter möchte sieben Monate nach der Geburt wieder arbeiten. In ihrem sozialen Umfeld tummeln sich viele überfürsorgliche Eltern mit Helikopter-Attitüden. Die junge Mutter befürchtet Verachtung, weil ihr Wunsch, zügig ins Berufsleben zurückzukehren, möglicherweise den Wertvorstellungen ihres sozialen Umfelds widerspricht. Allein der Gedanke daran bringt einen ersten Schamimpuls hervor, der sich so unangenehm anfühlen kann, dass die junge Mutter eben erst nach der von anderen akzeptierten Karenzzeit wieder anfängt zu arbeiten. Ein weiteres Beispiel sind „gute Manieren“: Man ist bei Freunden zu Besuch und bekommt etwas zu essen angeboten, was man partout nicht mag. Wenn man im Rahmen seiner kindlichen Prägungen gelernt hat, dass es sich eben gehört, etwas Angebotenes auch anzunehmen, dann würgt man etwas Ekeliges mit einem freundlichen Grinsen runter. Kann man machen, muss man aber nicht.

Dominantes Auftreten anderer: Wenn andere Menschen ihre Dominanz zeigen, kann einen das einschüchtern und in vorauseilendem Gehorsam Dinge tun lassen, die man eigentlich nicht will.

Reflexionsfrage: In welchen dieser Ursachen erkennst Du Dich wieder? Und zu welchen Ergebnissen führt das?

 

KONSTRUKTIV GRENZEN SETZEN IN SIEBEN SCHRITTEN
Die Betonung liegt auf „konstruktiv“. Konstruktiv bedeutet, dass man seine eigenen Grenzen erkennt und deutlich macht. Nicht konstruktiv, sondern übergriffig wäre es, anderen Menschen ihre Grenzen aufzuzeigen. Konstruktiv heißt auch, zu etwas Ja zu sagen, anstatt zu etwas aus einer abgrenzenden Haltung heraus „Nein“ zu sagen. Manche Menschen bauen aus einer Verunsicherung heraus veritable Selbstschussanlagen an ihren Grenzen auf, die sich in abwertenden, aggressiven oder zickigen Verhaltensweisen zeigen.

Der Weg zur emotionalen Freiheit besteht aus sieben bewährten Schritten:


1. Wahrnehmung
Welche Ziele verfolge ich? Was ist mir wichtig? Welche Bedürfnisse sind für mich wirklich unverzichtbar und bei welchen bin ich (bei Bedarf) kompromissbereit? Kennt man seine Bedürfnisse, dann kann man auch wahrnehmen, wenn man den Impuls in sich verspürt, zu etwas „Ja“ zu sagen, obwohl ich eigentlich „Nein“ sagen möchte. Eine weitere Ebene der Wahrnehmung ist, seine körperlichen, psychischen und zeitlichen Grenzen zu kennen.


2. Akzeptanz
Ich akzeptiere, dass ich bestimmte Bedürfnisse habe (ist so) und dass sie in einer bestimmten Situation von den Bedürfnissen anderer abweichen (ist so). Und ich akzeptiere, dass es mir bislang noch nicht wie gewünscht gelingt, mich von meinem emotionalen Autopiloten zu emanzipieren (ist so). Diese Akzeptanz ist vor allem dann wertvoll, wenn man dazu neigt, sich schnell schuldig zu fühlen, nur weil man ein Bedürfnis hat, das möglicherweise im Widerspruch zu den Bedürfnissen anderer steht.


3. Ärger
Über welche Situationen ärgere ich mich? Was möchte ich nicht mehr erleben? Ärger bedeutet nicht, einen Wutanfall zu haben, sondern die eigene Unzufriedenheit und daher einen tiefen Wunsch nach Veränderung wahrzunehmen. Worüber man sich nicht ärgert, ist offensichtlich okay für einen. Die hohe Kunst liegt darin, den Ärger in eine lösungsorientierte Perspektive zu bringen: Wie möchte ich, dass man mit mir umgeht? Welche Bedürfnisse sind mir wichtig und wie können diese befriedigt werden?


4. Erlaubnis
Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die anderer Menschen. Ich darf sagen, was ich möchte und was nicht. Diese Erlaubnis wirkt insbesondere bei Glaubenssätzen und Antreibern. Häufig hilft auch der Satz „Der Lohn der Anpassung ist, dass Dich am Ende alle mögen – außer Du selbst.“ Eine Erlaubnis kann auch sein, dass andere damit unzufrieden sein dürfen, wenn sie nicht immer ihren Willen bekommen.


5. Selbstverantwortung
Situationen, in denen man für sich selbst einstehen muss, geht man schon mal gerne aus dem Weg. Das ist zwar menschlich, bringt einen aber nicht weiter. Zur Selbstverantwortung gehört das Bewusstsein, dass man immer eine Wahl hat; der Preis mag zwar hoch sein, und ich mag ihn nicht zahlen wollen (siehe Schritt 7), doch ich kann immer selbst über mein Verhalten und mein Leben entscheiden. Der Gedanke „Ich kann nicht anders.“ ist ein veritabler Trugschluss und pädagogisch nicht wertvoll. Daher: Was kann ich tun, damit sich die Situation für mich verbessert? Womit lade ich möglicherweise andere Menschen dazu ein, meine Grenzen zu überschreiten? In einer selbstverantwortlichen Haltung haben Vorwürfe und Schuld keinen Platz. Selbstverantwortung bedeutet, ganz bei sich zu bleiben und sich nicht auf sinnlose Streitereien wie „Du hast aber…“ einzulassen.


6. Mut
Mut bedeutet „starken Willens zu sein, heftig nach etwas zu streben“. So kommt auch hier die Schlüsselfrage von FÜhR DEIN LEBEN ins Spiel: „Was willst Du?“ Welche Bedürfnisse sind Dir wirklich wichtig? Wie frei willst Du sein? Warum ist das für Dich so erstrebenswert? Findest Du für Dich klare Antworten auf diese Fragen, ist Deine Aufmerksamkeit so lösungsorientiert ausgerichtet, dass Du kaum noch freie Kapazitäten hast, Befürchtungen zu kultivieren oder Angst zu haben. Ermunterungen von nahestehenden Menschen können es einem leichter machen, Mut zu schöpfen. Du kannst andere übrigens auch darum bitten, Dich zu ermuntern, Dir Mut zuzusprechen oder Dir bei Bedarf auch einen liebevollen Tritt in den Hintern zu geben (falls Du selbstverantwortlich einen bestellen möchtest).


7. Zahlungsbereitschaft
Allgemein im Leben gilt, dass alles seinen Preis hat. Bei FÜhR DEIN LEBEN orientieren wir uns immer wieder an dem Leitsatz „Tu es oder lass es – beides hat Konsequenzen.“ Manchmal ist der Preis monetär, doch meistens ist er emotional. Wenn man für seine Bedürfnisse eintritt, dann kann man etwas erleben, was man eigentlich vermeiden möchte: Allgemeiner Gegenwind, richtige Konflikte, sich nicht gebraucht fühlen, Schamgefühle, Angst vor Beziehungsabbruch, Angst vor Kritik oder Angst vor dem Unbekannten. Wenn man die notwendige Zahlungsbereitschaft nicht spürt, dann wird sich vermutlich auch nicht viel ändern. Damit sich auf der Handlungsebene etwas bewegen kann, braucht man nicht nur eine kognitive Einsicht („Ja, das ist der Preis.“), sondern auch eine emotionale Bereitschaft („Ja, ich bin wirklich bereit, ihn zu zahlen.“). Entspannend kann auch die Erkenntnis wirken, dass 97% der Dinge, über die Menschen sich Sorgen machen, gar nicht eintreten. Wenn Du Dir in Deinen schönsten Endzeitphantasien ausmalst, wie hoch der Preis für Deine Entscheidung sein könnte, dann bedenke, dass ein Großteil davon mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintreten wird. Angenehmer Nebeneffekt: Verzichtest Du auf Dein Sorgenkarussell, dann hast Du auf einmal unerwartet viel freie Denkkapazität. Gleichzeitig kann die Frage „Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn ich für meine Bedürfnisse eintrete?“ entspannend wirken. Falls Du ein phantasiebegabter Mensch bist, lebe Dein Talent jetzt bitte nicht aus. Beantworte die Frage mit dem höchstmöglichen Realismus. Und Du wirst sehen, dass die meisten Befürchtungen sich nur im Kopfkino abspielen. Packe noch etwas Urvertrauen in den Lauf der Dinge dazu und dann wird das schon.

Diese sieben Schritte unterstützen Dich dabei, wirkungsvoll „Ja“ zu Dir selbst zu sagen. Das FDL-Team wünscht Dir viel Erfolg und Vergnügen dabei.

„Den Knall, den man selber hat, hört man meist nicht.“

Doc Happinez